Gestern war ich so nah an Nordkorea wie ich wohl nie mehr kommen werde - ein paar Minuten war ich quasi auf nordkoreanischem Boden, allerdings in einem UN-Gebäude, durch das die koreanisch-koreanische Grenze in der Mitte verläuft (ich will nicht wissen was die gemacht hätten wenn ich nicht das "neutrale" Gebäude um mich gehabt hätte...).
Der ganze Trip gestern war zur DMZ, also zur sog. "Demilitarized Zone". Das war straff durch organisiert wie man das bei Asiaten auf einem Europa-Trip kennt, allerdings war das auch nicht anders zu machen, weil man in dem Gebiet maximal allein auf Toilette darf, ansonsten ist immer entweder ein Tourguide oder später sogar ein US-Soldat bei der Gruppe und der Bus hält nur an ein paar Stellen, wo man aussteigen kann. Bilder darf man auch nur an bestimmten Orten und unter bestimmten Bedingungen machen, z.B. bei einer Aussichtsplattform auf die DMZ darf man Bilder nur hinter einer "Photo Line" machen, die ca. 2m von der Plattformkante entfernt ist - also man bekommt auf die Bilder eigentlich nur die Mauer der Plattform drauf und kann ein paar Berge im Hintergrund erahnen.
Schon auf der Fahrt von Seoul da hin haben wir etwas von Nordkorea gesehen, als wir auf dem Highway gefahren sind und ein Stück am Fluss entlang, wo Nordkorea auf der anderen Seite ist. Auffallend ist, dass die Berge in Nordkorea alle kahl sind weil alle Bäume abgeholzt wurden für Feuerholz, aber keine neuen gepflanzt wurden. Außerdem sind entlang des kompletten Flusses Stacheldraht und Wachtürme von südkoreanischer Seite. Grund dafür ist, dass wohl die Nordkoreaner mal versucht haben, durch den Fluss auf südkoreanisches Gebiet zu kommen. In den Wachtürmen, in denen wir teilweise wirklich Soldaten gesehen haben, und entlang des Zauns sind überall Scheinwerfer angebracht, die wohl nachts das ganze Gebiet durchleuchten.
In der DMZ angekommen sind wir erstmal zu der Aussichtsplattform, wozu es allerdings wenig zu sagen gibt, außer dass man nur hinter der "Photo Line" Bilder machen durfte und wir eine kurze Beschreibung des Gebiets bekommen haben. Danach waren wir an einem Bahnhof in der DMZ. Das ist der nördlichste Bahnhof Südkoreas, an dem aber keine Züge nach Norden fahren wie es eigentlich geplant war... Also fahren da jetzt die Tour-Busse hin, damit zumindest ein paar Leute was davon haben. Direkt daneben ist ein Grenzübergang nach Nordkorea wo der Highway durchführt, der wie der Bahnhof und die dazugehörige Bahntrasse extra gebaut wurden, um die beiden Koreas zu verbinden, allerdings wird der Highway quasi auch nicht genutzt.
Womit sich die Nordkoreaner aber anscheinend wirklich Mühe geben ist das Tunnelgraben. Direkt nachdem Friedensabkommen nach dem Koreanischen Krieg unterschrieben waren müssen die Nordkoreaner angefangen haben, Tunnel in den Süden zu buddeln, um dann da mal hochzuploppen und Südkorea einzunehmen. Ich will nicht wissen, wo sie gerade graben und wie weit sie sind, ich kann mir aber sehr gut vorstellen dass sie irgendwo die ganze Zeit versuchen sich einen Weg nach Seoul oder südlich von Seoul zu graben. Bisher wurden vier Tunnel entdeckt und wir haben uns einen, den "3. Tunnel" angeschaut. Ich würd sagen der war im Durchschnitt 1m breit und 1,5-2m hoch und geht einige hundert Meter in das Gebiet Südkoreas und verläuft ca. 300m tief. Die Südkoreaner haben den Tunnel entdeckt als ein Nordkoreaner, der in die Planung des Tunnels einbezogen war, in den Süden geflüchtet ist und Tips gegeben hat, wo ein Tunnel gebaut wird. In der Nähe dieses Gebiets haben sie dann Löcher gebort und die mit Wasser gefüllt. Wenn sich das Wasser in einem Loch bewegt hat hat man darauf geschlossen dass da gerade eine Sprengung stattgefunden hat. Wir konnten gestern in dem Tunnel natürlich nicht in den nördlichen Teil, den haben die Nordkoreaner gut abgeschottet mit einigen sehr dicken Mauern und wohl auch Minen hinter einer der Mauern. Apropos Minen - neben den Straßen, auf denen wir gefahren sind waren überall Minenfelder - also frei herumlaufen würde ich in dem Gebiet nicht wollen. Nochmal zu dem Tunnel: Um eine Ausrede waren die Nordkoreaner auch wieder nicht verlegen, also die Südkoreaner den Tunnel entdeckt haben. Sie haben gemeint, dass das eine ehemalige Kohlemine war, obwohl in dem ganzen Gebiet wohl eher keine Kohle zu finden ist. Dieses Argument wollten sie dadurch unterstreichen, dass sie die Wände des Tunnels schwarz eingefärbt haben... Naja, soviel zu Ausreden...
Nach dem Tunnel ging es dann noch in die Joint Security Area (JSA) bzw. Panmunjeom. Dort wurde erstmal unser Tourguide durch einen US-Soldaten und unser Tour-Bus durch einen JSA-Bus ersetzt. Der Soldat hat uns ein paar Sachen erzählt und darauf aufgepasst hat dass niemand Photos macht wo es nicht erlaubt war. Nach einem kurzen Vortrag zur Kriegsgeschichte von Nord- und Südkorea ging es schließlich ganz nah an die Grenze (eine Betonlinie am Boden). Direkt südlich (also auf unserer Seite) der Grenze ist das sogenannte Freedom House, von dem aus wir uns der Grenze genähert haben. Allerdings war das ganze wieder unter strengen Vorschriften. Wir durften Bilder von der Grenze und vom gegenüberliegenden nordkoreanischen Gebäude machen, allerdings nur von der oberen Stufe der Treppe des Freedom House. Auf der oberen Plattform dieser Treppe stand außerdem rechts und links je ein südkoreanischer Soldat - man durfte sich nicht rechts vom linken Soldat und nicht links vom rechten Soldat bewegen. Die südkoreanischen Soldaten stehen die ganze Zeit starr in einer Art Taekwondo-Grundhaltung da und verziehen keine Miene. Auf der anderen Seite der Grenze war ein Gebäude der Nordkoreaner, das für mich einfach so kommunistisch ausgesehen hat dass ich mich gefragt hab ob die alle nur einen Architekten hatten. Natürlich durfte die lange Treppe nicht fehlen wo oben immer ein nordkoreanischer Soldat mit Fernglas herumgelaufen ist um genau zu sehen was wir machen. Es würde mich aber nicht wundern, wenn die nicht sowieso überall Überwachsungskameras haben und alles genau im Blick haben. Dann sind wir (in Zweierreihen!) in eine der drei Baracken gegangen, die quasi "auf" der Grenze liegen und (falls die Stimmung mal wieder gut ist) für Verhandlungen zwischen den beiden Staaten genutzt werden. In dieser Baracke waren wieder zwei südkoreanische Soldaten, der eine hat verhindert dass wir an einer Seite des Tisches vorbei gehen und der andere stand vor der "Tür zur Nordkorea". Wenn man aus dem Fenster geschaut hat hat man die Grenze gesehen und konnte quasi auf nordkoreanisches Gebiet gehen, aber eben innerhalb des Gebäudes. Der Verhandlungstisch in der Mitte der Baracke war genau entlang der Grenze ausgerichtet und hat Mikrophone (entlang der Grenze ausgerichtet!) am Tisch, die anscheinend permanent eingeschaltet sind. Das ganze läuft ja irgendwie über die UN und so eine gemeinsame Überwachsungstruppe, deshalb steht auch an dem Tisch eine blaue Flagge.
Nach dem kurzen Abstecher "auf nordkoreanisches Gebiet" sind wir mit dem Bus noch ein paar Stellen abgefahren, z.B. die "Bridge of no return", wo nach dem Krieg Gefangene ausgetauscht wurden, die aber, sobald sie sich für eine Seite entschieden hatten, nie mehr in das andere Land durften. Außerdem waren wir an einem Aussichtspunkt, wo man sich die DMZ noch ein bisschen anschauen konnte und auch Blick auf ein nordkoreanisches Dorf in dem Gebiet hatte. Uns wurde erzählt, dass das Dorf aber nur fake ist und nur gebaut wurde, weil die südkoreaner in dem Gebiet ein Dorf haben und die Nordkoreaner da auch eines wollten. Das Dorf wird überragt von einer nordkoreanischen Flagge, die glaube ich in 160m Höhe weht - die südkoreanische Flagge in dem südkoreanischem Dorf ist nur auf 100m, also Hauptsache "man hat die Höchste und Größte" - die allerdings bei starkem Wind abgenommen werden muss, weil sie sonst zerreißt...
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